John Ronald Reuel Tolkien

J. R. R. Tolkien 1892-1973

- Eine chronologische Biographie -

 
1892 wurde John Ronald Reuel Tolkien am 3. Januar als Sohn englischer Kolonisten in Bloemfontein (Südafrika) geboren.
1895 fuhr Mabel Tolkien mit Ronald und seinem Bruder Hilary nach England. Arthur Tolkien, von Beruf Bankangestellter, blieb in Südafrika.
1896 starb Arthur Tolkien. Mabel Tolkien beschloss, in England zu bleiben und zog in einen Vorort von Birmingham.
1900 tratt Mabel Tolkien  in die römisch - katholische Kirche ein. Viele der anglikanisch - protestantischen Verwandten wandten sich daraufhin von der Familie ab. In den folgenden drei Jahren zog die Familie innerhalb Birminghams mehrmals um, weil sie die Mieten nicht mehr zahlen konnten. Ronald wechselte darum mehrmals die Schule. 
1903 erhielt er ein Stipendium an der King-Edward-School. Er entdeckte seine Leidenschaft für Sprachen, insbesondere Angelsächsisch. 
1904 wurde Anfang des Jahres  bei Mabel Tolkien Diabetes festgestellt; sie starb im November im Alter von 34 Jahren. Die Kinder zogen zuerst zu einer Tante, später zu einer Pflegemutter. Dort lernte Ronald 1908 die drei Jahre ältere Edith Bratt kennen.
1910 erhielt er ein Stipendium am Exeter College in Oxford. Die folgenden Jahre studierte er an der Universität Englische Sprache und Literatur. Außerdem verlobte er sich mit Edith Bratt. 
1914 schloss er kurz vor Kriegsausbruch  sein Studium mit Auszeichnung ab. Bald darauf wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. 
1915 heiratete Ronald Edith Bratt. Im selben Jahr wurde er an die Somme versetzt, wo er als Meldeoffizier an der Front diente. Im Herbst erkrankt er an "Grabenfieber" und erhielt Genesungsurlaub in England. In dieser Zeit begann er, in der Absicht, seinen erfundenen Sprachen eine Geschichte zu geben, "Das Buch der Verschollenen Geschichten", den Grundstein des "Silmarillion". 
1918 kehrte Tolkien mit seiner Frau Edith und seinem ersten Sohn John nach Oxford zurück. Er wurde Mitarbeiter am "New English Dictionary" und begann, als Privat-Tutor zu unterrichten. 
1919 wurde Tolkien  Lektor und fünf Jahre später Professor für Englische Sprache an der Universität Leeds. 
1925 wurde er Professor für Angelsächsisch an der Universität Oxford, wo er C.S. Lewis kennenlernt. 
1930 begann Tolkien , den "Hobbit" als Unterhaltung für seine Kinder zu schreiben, schloss ihn jedoch nicht ab. 
1936 vollendete er auf Wunsch einer Bekannten  den "Hobbit", der beim Verlag Allen & Unwin zur Veröffentlichung angenommen wurde. 
1937 erschien im Herbst  "The Hobbit" und wird ein sensationeller Erfolg. Auf Bitten von Stanley Unwin beginnt Tolkien eine Fortsetzung, aus der schließlich "Der Herr der Ringe" wird. 
1939 hielt er den vielbeachteten Vortrag "On Fairy-Stories", in denen er die Grundsätze des später entstehenden Fantasy-Genres beschrieb. Tolkien verweigerte die Veröffentlichung des "Hobbit" in Deutschland, da der deutsche Verlag von ihm seine "arische" Herkunft bestätigt haben wollte. Er und C.S. Lewis gründeten ihren Literaturkreis "The Inklings". 
1945 wurde Tolkien Professor für Anglistik in Oxford. 
1949 wurde "The Lord of the Rings"  fertig. Allen & Unwin waren von der Komplexität und Eigenart des Werkes abgeschreckt, veröffentlichten aber einige seiner Kurzgeschichten, was Tolkien vor dem finanziellen Ruin bewahrte. 
1952 überarbeitete und kürzte Tolkien  den "Herrn der Ringe", und versuchte, bei Allen & Unwin "Das Silmarillion" zu veröffentlichen, welches aber trotz jahrelangen Überarbeitungen immer wieder abgelehnt wurde, da es als zu komplex und zu düster und daher als nicht gewinnbringend galt. 
1954 erschienen die ersten beiden Bände des "Herrn der Ringe"  bei Allen & Unwin. Der Erfolg übertraf die Erwartungen von Autor und Verlag. Die meisten Kritiker überschlugen sich vor Begeisterung, und viele Leute, die als Kind den "Hobbit" gelesen hatten, stürzten sich auf den Roman. So wurde der "Herr der Ringe" trotz des hohen Preises ein beachtlicher Erfolg, galt aber lange Zeit als Geheimtip. 
1955 wurde veröffentlicht der dritte Band des "Herrn der Ringe"  und schloss an den Erfolg der ersten zwei Teile nahtlos an. Der Absatz stie weiter unauffällig an.
1959 wurde Tolkien  pensioniert und widmete sich nun nur noch der Arbeit am "Silmarillion", dessen Veröffentlichungschancen gestiegen waren. 
1965 erschien in den USA  eine verbilligte Taschenbuch-Ausgabe des "Herrn der Ringe". Das war der Durchbruch auf dem Massenmarkt. Eine bis dahin nie dagewesene Kultbewegung unter den amerikanischen Studenten setzte ein. Fanclubs schossen wie Pilze aus dem Boden und begeisterte Fans veranstalteten Kostümparties oder reisten nach England, wo sie Tolkiens Haus in Oxford regelrecht belagerten. Der Autor wurde mit einem Schlag zur Berühmtheit. Der Verlag geriet bald in ernste Lieferschwierigkeiten und musste eine Papierfabrik und eine zusätzliche Druckerei kaufen. Tolkien, der jeden Leserbrief persönlich beantwortete, wies daraufhin, daß diese Ausgabe nicht von ihm autorisiert und somit illegal sei. Daraufhin spielten sich in den USA tumultartige Szenen ab. Als der "Piratenverlag" Ace Books sich weigerte, das Copyright anzuerkennen und Anteile an Tolkien zu zahlen, stürmten leicht fanatische Leser die Buchläden, um die Bücher zu entfernen und zu vernichten. Ace Books musste starke Verluste hinnehmen und ging bankrott. Bald darauf verhinderte Tolkien durch sein Veto eine amerikanische Zeichentrickverfilmung des "Herrn der Ringe", weil das Werk darin stark gekürzt, entstellt und verändert wurde. Sein zweiter Sohn, Christopher J. R., begann, ihm bei der Arbeit am "Silmarillion" zu helfen, da Tolkien sehr viel Zeit auf die Beantwortung von Leserbriefen verwenden musste. 
1968 zogen die Tolkiens  an die Kanalküste nach Poole bei Bournemouth. 
1971 starb Edith Tolkien  im Alter von 82 Jahren. 
1972 kehrte Tolkien  nach Oxford zurück und wohnte auf Bitten der Universität in den Räumen des Merton College. Er wurde für sein Schaffen von Königin Elizabeth II. mit einem Orden und von der Universität Oxford mit dem Ehrendoktorat der Literaturwissenschaft ausgezeichnet. Da das "Silmarillion" immer noch nicht veröffentlicht werden konnte, begann er eine Fortsetzung zum "Herrn der Ringe" mit dem Titel "The New Shadow", die er jedoch bald abbrach. 
1973 wurde er auf Besuch bei Freunden in Bournemouth  plötzlich krank und starb dort am 2. September im Alter von 81 Jahren. Er wurde bei seiner Frau auf dem katholischen Teil des Friedhofes von Wolvercotebei Oxford beerdigt. 
1977 wurde das unvollendete "Silmarillion", Tolkiens Lebenswerk,  von seinem Sohn Christopher J.R. Tolkien geordnet und auf Drängen der Leserschaft posthum bei Allen & Unwin veröffentlicht. In den folgenden Jahren erschienen weitere Bücher über Tolkien und seine Werke, darunter eine Biographie und ein Atlas von Mittelerde.